Bericht über die Innerstebegehung


Innerste

v.l.: M. Kämmereit, Dr. R. Heiderich, Dr. F. Pohl, G. Brunke, A. Homeister, E. Brumund-Rüther


Lachse in der Innerste - Traum oder bald schon Wirklichkeit ?!


"Die Innerste ist ein Lachsgewässer par excellence!"
Zitat von Ede Brumund-Rüther auf der AFGN-Tagung am 13. Oktober 2001 in Potsdam

Der Sprecher der AFGN - Arbeitsgemeinschaft für Fischarten- und Gewässerschutz Norddeutschlands - Ede Brumund-Rüther ist am 18. März 2001 der Einladung des Lachsfördervereins gefolgt und besuchte mit Michael Kämmereit vom NLÖ - Dezernat Binnenfischerei - exemplarisch vom Lachsförderverein ausgewählte Abschnitte der Innerste zwischen Heersum und Heinde.

Der Lachsexperte der AFGN war sehr beeindruckt am vorhandenen Potential an geeigneten Habitaten für Junglachse in der Innerste. Sinngemäß sagte Ede Brumund-Rüther: "Wenn nicht hier Lachs vorkam, dann nirgendwo sonst. Soviel Smolts bzw. Junglachse wie dieses Gewässer hergibt, könnt ihr gar nicht setzen, soviel Geld habt ihr nicht. Schafft jetzt die Durchgängigkeit." Brumund-Rüther führte weiter aus, dass die Bachforelle nicht alle Habitate in norddeutschen Flüssen besetze könne, der Jung-Lachs besetze die freie Nischen vor allem in der Gefälleströmung und in der Fluss-Mitte. Der Lachs sei somit kein Konkurrent zur Bachforelle, das Gegenteil sei der Fall. Auch die Lamme in Klein Düngen erschien für Ede B.-R. als lachstaugliches Gewässer. Lamme und Innerste bieten aufgrund der Wasserqualität, Morphologie, Gefälleraten etc. gute Habitate für den Lachs und Meerforelle. Anschließend fuhren wir mit den beiden Fachleuten noch an Saale und Aake bei Elze (siehe gesonderten Bericht).

Diese positiven Aussagen für die Lachstauglichkeit der Innerste wollten wir durch einen externen Gutachter abgesichert wissen. Die Untersuchung wurde durchgeführt vom Diplombiologen Thomas Bobbe.

Thema war die Überprüfung von Fließgewässerhabitaten der Innerste auf ihre Eignung für die Wiederansiedlung mit dem Atlantischen Lachs (Salmo salar L.).

Das Arbeitsprogramm umfasste folgende Felderhebungen:

Untersucht wurden insgesamt 11 km der Innerste im Landkreis Hildesheim zwischen Derneburg und Marienburg.

Innerste

Die Innerste - Ein Lachsfluß ?!

Zusammenfassung

Die Innerste, ein Fluss des Wesereinzugsgebietes wurde im Hinblick auf die Wiederansiedlung von Großsalmoniden bislang nicht untersucht. Dieses Defizit wurde vom Verein zur Förderung der Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle Niedersachsen 2000 e.V. erkannt.

Im Juni 2001 wurde die Prüfung einer Teilstrecke der Innerste als potentieller Lebensraum für den Lachs (Salmo salar L.) vom Büro für Gewässerökologie Darmstadt durchgeführt. Die Untersuchungsmethoden richteten sich dabei nach den in Hessen, NRW und Niedersachsen erprobten Verfahren.

Historische Nachweise für das Vorkommen des Lachses in der Innerste sind bislang nicht bekannt. Einen Hinweis auf die Eignung der Innerste für den Lachs gibt KELLER (1901):"Aber auch Oker, Leine und Innerste, sowie Örtze, Lachte und Ise wiesen geeignete Laichareale [für den Lachs und die Meerforelle] auf".

Die Innerste hat im Untersuchungsabschnitt die Gewässergüte II (mäßig belastet) alle Nebenbäche mit Ausnahme des Astenbachs sind kritisch belastet. Die Durchgängigkeit für den Lachsauf- bzw. -Abstieg ist derzeit aufgrund von drei Wehranlagen nicht gegeben. Die Gewässerstrukturgüte wurde mit deutlich bis sehr stark verändert bewertet. Zur Fischfauna lagen nur veraltete Daten vor.

Untersucht wurden insgesamt 11 km der Innerste zwischen Derneburg und Marienburg. Der Fluß wird in der Untersuchungsstrecke durch das Heinder Wehr auf einer Gesamtstrecke von 3,4 km aufgestaut bzw. staubeeinflusst. Oberhalb des Wehres zwischen Hockeln und Derneburg zeigt die Innerste Charakteristika der Salmonidenregion. Sie verläuft hier gestreckt bis gewunden mit Pool-Riffle-Strukturen. Unterhalb des Heinder Wehres ist die Innerste Barbenregion. Sie wurde hier ausgebaut, verläuft gestreckt und ist bis zu 4-5 m eingetieft. Sie besitzt wenige kurze Riffle-Strecken und das Gewässerbett ist überwiegend eingeengt und vertieft.

Die Geländeerhebung zeigte dass die Gewässerstrecke zwischen Derneburg und Hockeln über hinreichend große Gewässerstrecken verfügt, die als potentieller Lachs-Lebensraum geeignet sind. Für den Besatz sind ca. 6000 m2 für 0+-Lachse und 13.100 m2 für 1+-Lachse vorhanden; zudem 5050 m2 potentielle Laichhabitate. Im Längsverlauf der Innerste bildet die untersuchte Strecke die unterste Grenze des Lebensraumes der Süßwasserphase des Lachses. Aufgrund der Gewässerbettmorphologie (Instream-cover) sollte nur in geringen Dichten besetzt werden. Der Mündungsbereich der Nette sollte aufgrund der schlechten Gewässergüte nicht besetzt werden.

Die Gewässerstrecke vom Wehr Heinde bis über Hockeln hinaus ist aufgrund des Aufstaus nachhaltig verändert und für Kieslaicher, wie Äsche, Barbe, Lachs etc. als Lebensraum verloren gegangen.

Unterhalb des Heinder Wehres ist die Innerste tiefenerodiert und besitzt nur wenige bedingt geeignete Habitate. Sie ist damit für den Lachsbesatz nur sehr eingeschränkt geeignet. Die in Augenschein genommene Gewässerstrecke zwischen der Mühle Malzfeld und der Einmündung in die Leine ist begradigt und eingetieft. Für den Lachsbesatz mit Brütlingen ist diese Gewässerstrecke zwar nicht geeignet, in einer ersten Phase der Wiederansiedlung mit Lachsen könnte sie jedoch mit Smolts besetzt werden.

Empfehlungen

Eine starke Gefährdung vorhandener fließgewässertypischen Gewässerstrukturen geht derzeit von der zur Diskussion stehenden Erhöhung des Stauzieles des Heinder Wehres aus. Hier wäre aus gewässerökologischer Sicht die Beibehaltung des Status Quo, wenn nicht gar eine Absenkung des Stauzieles zu fordern. Maßgebliche weitere Gefährdungsaspekte sind die Eintiefung der Innerste und die Belastungssituation der Nebenbäche.

Die Innerste verfügt über ein hohes Entwicklungspotential. Zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit sollten die unpassierbaren Wehre mit funktionalen Fischauf- und Abstiegsanlagen ausgestattet werden, die auch für Großsalmoniden tauglich sind. Zur Verbesserung der schlechten Gewässerstrukturen sollten die derzeitige Ufererosion zugelassen, die vorhandene Ufersicherung rückgebaut und die Überschwemmungsdeiche rückverlegt werden. Zu dem sollte die Entwicklung von Ufergehölzen und Uferrandstreifen gefördert werden.

Folgende Forderungen zur Entwicklung eines "guten ökologischen Zustandes" im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL 2000) können formuliert werden:

Folgende Empfehlungen für die weitere Untersuchungen können gegeben werden:

Das Fazit des Lachsfördervereins über die Ergebnisse des oben aufgeführten Gutachtens:

Die Innerste hat das Potential zum Lachsfluss !

Es liegt an den Fischereiberechtigten, den zuständigen Behörden und Politikern dieses Lachs-Wiedereinbürgerungspotential der Innerste möglichst schnell durch Schaffung der Durchgängigkeit der Wehre in beide Richtungen zu nutzen.

Der Lachsförderverein hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt sich mit Vehemenz für den Bau funktionaler Fischaufstiegs- und -abstiegsanlagen an den Wehren der Innerste ein.

Bisher hat nur der Sportfischerverein Sarstedt wirkliches Interesse an der Wiederansiedlung des Lachses in der Innerste bekundet. Wann wachen die anderen endlich auf und begreifen diese für sie historische Chance. Soll der Lachs etwa nur in der Leine aus dem Atlantik zurückkehren dürfen? Der Lachsförderverein unterstützt und treibt die Lachs-Wiedereinbürgerung in der Leine, Innerste, Saale und Aake tatkräftig voran.

Die Zeichen stehen auch in der Innerste eindeutig auf Lachs! Lasst es uns nun wirklich anpacken. Zeit ist genug verstrichen. Der König der Fische hat es verdient !

In diesem Sinne "Allzeit Gut Lachs"